Aktuelles & Markt Februar 2026

Fernwärme 2026: Kein Anbieterwechsel möglich – Struktur, Preise und Handlungsoptionen

Warum kein Wechsel möglich ist – und welche Optionen Eigentümer haben

Fernwärme ist ein zentraler Bestandteil der Wärmewende. In vielen Städten gilt sie als klimafreundliche Alternative zur klassischen Gasheizung. Gleichzeitig stellen Eigentümer und Unternehmen zunehmend fest, dass sich dieser Markt grundlegend von Strom oder Gas unterscheidet.

Ein Anbieterwechsel ist in der Regel nicht möglich.

Warum das so ist, wie sich die Preise entwickelt haben und welche Optionen bestehen, wird nachfolgend eingeordnet.

Warum ein Anbieterwechsel bei Fernwärme nicht möglich ist

Fernwärme wird über ein lokal begrenztes Wärmenetz bereitgestellt. In jedem Versorgungsgebiet existiert üblicherweise nur ein Netzbetreiber. Dieses Netz gehört dem jeweiligen Versorger und kann technisch nicht von konkurrierenden Anbietern genutzt werden.1

Im Gegensatz zum Strommarkt gibt es keine parallelen Netze. Dadurch entsteht eine natürliche Monopolstruktur. Wer an das Netz angeschlossen ist, ist an diesen Anbieter gebunden.

Ein freier Anbieterwechsel wie bei Strom- oder Gasverträgen ist daher nicht vorgesehen.

Rechtlicher Rahmen: AVBFernwärmeV und Vertragslaufzeiten

Die Versorgung mit Fernwärme wird durch die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV) geregelt.2

Diese wurde zuletzt überarbeitet, um mehr Transparenz bei Preisbestandteilen und Emissionen zu schaffen.2 Dennoch bleiben lange Vertragslaufzeiten von bis zu zehn Jahren üblich.

Teilweise kann zusätzlich ein kommunaler Anschluss- und Benutzungszwang bestehen.2

Ein gesetzlich verankertes Wechselrecht existiert nicht.

Preisentwicklung 2023 bis 2026

Nach dem Energieschock 2022/2023 kam es zu deutlichen Preissteigerungen.

Im Jahr 2023 lagen die durchschnittlichen Fernwärmepreise bei rund 156 Euro pro Megawattstunde. Regional wurden Steigerungen von bis zu 76 Prozent verzeichnet.3

2024 zeigte sich eine teilweise Entspannung, allerdings mit erheblichen regionalen Schwankungen zwischen minus 8 Prozent und plus 27 Prozent.4

Für 2025 und 2026 liegt der Durchschnitt bei rund 130 Euro pro Megawattstunde, wobei einzelne Versorger deutliche Anpassungen nach oben oder unten vorgenommen haben.45

Umgerechnet bewegen sich die Arbeitspreise häufig zwischen 9 und über 20 Cent pro Kilowattstunde.

Kritik an Preisgleitklauseln

Viele Fernwärmeverträge enthalten sogenannte Preisgleitklauseln. Diese koppeln die Preisentwicklung an bestimmte Indizes, häufig an Gaspreise.

Verbraucherschützer kritisieren die eingeschränkte Nachvollziehbarkeit dieser Berechnungsmodelle.6 Auch das Bundeskartellamt hat sich mit der Marktsituation befasst.

Die jüngste Reform der AVBFernwärmeV sieht zusätzliche Transparenzanforderungen vor.2

Welche Alternativen bestehen

Vor einem Anschluss an ein Wärmenetz sollten alternative Heizsysteme geprüft werden. Je nach Gebäudezustand kommen Wärmepumpen, Pelletanlagen oder Hybridlösungen infrage.

Förderprogramme können Investitionen in erneuerbare Heizsysteme teilweise mit bis zu 70 Prozent unterstützen.7

Bei bestehenden Fernwärmeverträgen sind Alternativen in der Regel nur durch technische Umrüstung oder nach Ablauf der Vertragslaufzeit möglich.

Fazit

Fernwärme ist kein liberalisierter Markt. Die Preisbildung erfolgt regional ohne Wettbewerb. Eigentümer und Unternehmen sind häufig langfristig gebunden.

Eine sorgfältige Prüfung der Vertragsbedingungen und der Preisformeln ist daher empfehlenswert. Ebenso sollte die wirtschaftliche Vergleichbarkeit mit alternativen Systemen objektbezogen bewertet werden.

Quellen

[1] Handelsblatt: „Was Sie 2026 zu Fernwärme wissen müssen“ – handelsblatt.com (04.02.2026)

[2] Rödl & Partner: „Novelle AVBFernwärmeV“ – roedl.com (29.11.2025)

[3] VEA: Fernwärmepreisvergleich 2023 – vea.de (2023)

[4] VEA: Fernwärmepreisvergleich 2025 – vea.de (13.01.2026)

[5] BS|ENERGY: Preisanpassung Fernwärme – bs-energy.de (14.12.2025)

[6] Senercon: Analyse zu Preisgleitklauseln – senercon.de (o. D.)

[7] Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein: Wärmenetze – Chancen und Konsequenzen – verbraucherzentrale.sh (o. D.)

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